06.09.2016

Alleine reisen

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WARUM ALLEINE REISEN?


Dieses Thema füllt ganze Facebookgruppen (speziell für alleinreisende Frauen) und diverse Magazinartikel (hier, hier und jüngst hier). Getraut habe ich mich es bis vor kurzem nicht, aber ich denke, es hat sich bei mir bisher keine Gelegenheit ergeben. Nun aber war sie da: seit einer Woche bin ich aus meinem ersten Urlaub alleine zurück. Nach den stressigen letzten Monaten, in denen ich diverse Hausarbeiten verfasst, die Bachelorarbeit vollendet und mein Studium abgeschlossen habe, wollte ich mich zwischen Ferienjob und Praktikum ein bisschen erholen. Um wirklich frei in meinen Entscheidungen zu sein, entschied ich mich, alleine in den Urlaub zu fahren. Ich suchte mir ein kleines Hotel an der Nordseeküste, kaufte mir ein Sommerticket der Deutschen Bahn, suchte mir eine passende Zugverbindung heraus und ersetzte meinen sperrigen, alten und unbequem Rucksack durch einen richtigen Backpackerrucksack, den ich für anstehende Backpackertouren ebenfalls nutzen werde). Nach meinem Ferienjob ging es dann Ende August endlich los und ich war zu meiner eigenen Überraschung überhaupt nicht nervös, sondern voller Vorfreude. Ich freute mich auf das Meer, den Strand und das Alleinsein. Im Gepäck hatte ich meine Kamera, zwei Bücher (eine Rezension wird vermutlich bald folgen), die ich schon länger lesen wollte und einige Hörbücher auf meinem alten MP3-Player. Nachteil ist, dass man die Erfahrungen im Urlaub alle alleine macht und mit keiner nahestehenden Person teilen kann. Ansonsten konnte ich nur Vorteile für mich entdecken: planerische Freiheit haben, keine Kompromisse eingehen müssen und selbstständiger werden. 

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ERSTE ERFAHRUNG: ALLEIN AN DER NORDSEE


Die Anfahrt war, obwohl sie mehr als acht Stunden von Freiburg aus dauerte, sehr angenehm. Dank ICE-Möglichkeit und Sitzplatzreservierung, konnte ich die Hälfte der Fahrt in Ruhe entspannen. Am späten Nachmittag, es war Samstag, kam ich endlich im Hotel an und stiefelte fünf Kilometer zum nächsten Supermarkt. Ich deckte mich mit etwas Gemüse, veganem Aufstrich und ein paar Brötchen ein, da ich im Hotel nur Frühstück bekam. Ich setzte mich den restlichen Abend an den Strand und sah zu, wie die Flut kam. Müde von der vorherigen Nachtschicht im Nebenjob und vermutlich auch etwas von der Reise, schlief ich so tief und gut wie schon seit Monaten nicht mehr. Die folgenden Tage verbrachte ich nach dem Frühstück überwiegend am Strand, lief einige Stunden den Deich entlang und durch das Örtchen und genoss, alleine zu sein. Ich musste mich niemandem gegenüber rechtfertigen, wenn ich doch von meinem Tagesplan abweichen wollte und Lust auf ein Mittagsschläfchen im Hotel hatte. Im Hotel waren überwiegend ältere Menschen und ein paar Familien mit Kindern, was mir sehr entgegen kam. Ich hatte meine Ruhe, Zeit zu fotografieren, ohne dass Mitreisende genervt sind, Zeit, mich in meine Bücher zu vertiefen und beim Deichspaziergang ein Hörbuch anzuhören.

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WÜRDE ICH ES WIEDER TUN?


Ich war zum ersten Mal alleine im Urlaub und ich liebte es von Anfang an. Zu zweit oder in einer Gruppe zu reisen kann zwar auch sehr schön sein, habe ich auch schon gemacht, aber diese Freiheit gibt es nur allein. Während der paar Tage am Meer habe ich mich zu keinem Zeitpunkt einsam gefühlt, sondern war froh, dass ich wenig Empfang und nur schlechtes Wlan hatte. Trotz Langzeitbeziehung und tollen Freunden war ich alleine im Urlaub, was mein direktes Umfeld bewundernswert und mutig fand (war es eigentlich aber nicht). Wenn es sich ergibt, würde ich auf jeden Fall wieder alleine in den Urlaub fahren, der nächste Urlaub wird aber mit dem Partner geplant.

// Sarah

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