26.08.2016

Interview: Capsule Wardrobe mit Jessi

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Wir möchten hiermit unsere neue Kategorie einführen: Interviews! Von Zeit zu Zeit werden wir Personen befragen, die uns auf die unterschiedlichste Art und Weise inspirieren. Viel mehr Worte möchten wir dazu nicht verlieren, daher fangen wir einfach an!

Den ersten Versuch wagt Jessi von dem Blog Jessicadoesblogging. Auf ihrem virtuellen Logbuch berichtet sie über den Verlauf ihres Projekts der Capsule Wardrobe, das sie am 1.Mai diesen Jahres begonnen hat. Wer noch nichts von diesem Konzept gehört hat, kann auf dieser Seite die Grundlagen nachlesen. Ihr Blog ist nicht nur deswegen spannend, weil wir Jessi schon sehr, sehr lange persönlich kennen, sondern auch, weil sie so ehrlich über ihre Erfahrungen mit dem Minimalismus berichtet.



1. Aus welchen Gründen hast du dich dazu entschlossen, das Experiment Capsule Wardrobe/Project 333 zu beginnen?

Ich wollte morgens weniger Zeit brauchen, um mich für den Tag fertig zu machen, was mir auch gelungen ist, da ich eine halbe Stunde einsparen konnte und jetzt später aufstehen kann! Ich bin auch der Meinung, dass ich persönlich viel zu viele Klamotten hatte und am Ende trotzdem nichts mehr anzuziehen. Außerdem sind die meisten Dinge, die ich noch weg bringe in einem guten Zustand und noch nicht durchgetragen, weshalb ich an einem Punkt beschlossen habe, nichts mehr Neues einzukaufen und mit meiner bestehenden Garderobe für ein Jahr eine Capsule Wardrobe zu machen.


2. Was hat dich dazu inspiriert?

Definitiv hat mich hat mich dazu der YouTube-Channel LightbyCoco inspiriert. Von ihr habe ich das erste Mal über Capsule Wardrobe und Minimalismus gehört. Des Weiteren haben auch die Bücher von Marie Kondo großen Einfluss auf mich. Für mich sind die Konzepte logisch und machbar, weshalb ich mich dazu entschieden habe, diesen Lifestyle für mich zu adaptieren.


3. Hast du ein bestimmtes Ziel vor Augen?

Ja das habe ich, aber diese haben sich mit der Zeit geändert. Zu Beginn wollte ich das Jahr schaffen und mir selbst beweisen, dass ich so ein Projekt durchhalten kann. Mittlerweile kommt hinzu, dass ich wirklich das Beste aus meiner Garderobe holen will.


4. Siehst du irgendwelche Nachteile an dieser Methode? Ärgerst du dich manchmal, dass du keine anderen Klamotten kaufen kannst?

Klar ärgere ich mich darüber, weil es doch manchmal Dinge gibt, die man irgendwo gesehen hat und gerne hätte. Aber andererseits bin ich auch ganz froh darüber, dass ich mich nicht dem Kaufstress übergeben muss. Damit meine ich das ewig lange durch die Stadt laufen, 1000 Kleidungsstücke anprobieren, wo mit viel Glück höchstens 2 passen, zudem ist die richtige Farbe ist gerade nicht im Trend oder der passende Schnitt für die Figur. Und so kommt man frustriert und mit leeren Händen zurück und ärgert sich nur über sich selbst, weil man nicht in die heutige Mode hineinpasst.
Oh ja, Nachteile gibt es, aber das liegt zum Teil an den Rahmenbedingungen, die ich mir selbst geschaffen habe. Die Kleidung die man aktuell besitzt, gibt einen Rahmen vor, wie viel man auf die Waage bringen darf. Wenn es mehr ist, habe ich weniger anzuziehen. Bei einer „normalen“ Capsule Wardrobe könnte ich nach 3 Monaten sagen, dass ich mir jetzt eine neue Hose kaufe, die mir eher passt, aber das geht hier nicht. Also muss ich abnehmen… vielleicht ist das nicht ganz so schlecht


5. Hast du etwas daraus gelernt, wenn ja, was?

Ja und zwar, dass man Kleidung, die man aktuell hat, mehr schätzen sollte und sich mehr Gedanken beim Kauf von neuen Kleidungsstücken machen sollte. Täglich werden Berge von ungetragener Kleidung entsorgt und noch mehr nachproduziert. Diese Art von Konsum sendet die falschen Signale an den Markt und hilft am Ende niemandem. Weder den Produzierenden, der Umwelt, noch dir.


6. Gibt es noch andere Projekte in diese Richtung, die du gut findest und ausprobieren möchtest?

Project Pan und Pan that Palette sind zwei Konzepte, die ich gut finde und auch anwende auf alles, was man aufbrauchen kann. Es ist wirklich ein befriedigendes Gefühl, wenn man bei einem Lidschatten das Blech unten sieht, bei einem Lippenstift nichts mehr rausbekommt oder den Boden eines Nagellackfläschchens sieht! Ich bin aktuell bei meinem ersten Project Pan mit 5 Produkten und habe schon 3 davon aufgebraucht. Ich bin schlichtweg davon begeistert und werde mit den Projekten weitermachen. Außerdem habe ich vor, nächstes Jahr mit einer neuen Lidschattenpalette ein Pan that Palette durchzuführen.

7. Hast du vor, das Projekt beizubehalten oder ist es nur ein temporärer Versuch?

Ich möchte auf jeden Fall eine Capsule Wardrobe in Zukunft beibehalten. Sobald das Jahr um ist, wird es ein großes Clean Out geben, wo Kleidungsstücke wegkommen, die ich wirklich nicht mehr tragen kann, weil sie Löcher haben oder Flecken, die mit dem Waschmittel nicht mehr rausgehen. Danach werden die Lücken gefüllt mit Kleidung, die ich versuche größtenteils secondhand zu bekommen. Gegebenenfalls verkürze ich meine Capsule Wardrobe von einem Jahr zu 6 Monate und/ oder habe mehr als 33 Kleidungsstücke. Aber das ist noch alles Zukunftsmusik.

8. Was kannst du uns allen zum Abschluss noch empfehlen?

Geht durch eure Garderobe und versucht zu jedem Kleidungsstück Kombinationsmöglichkeiten zu finden. Wenn ihr euch nicht sicher seid, nehmt euch vor, das Kleidungsstück innerhalb der nächsten Woche zu tragen. Wenn ihr immer einen Bogen darum macht und im Kopf Ausreden findet, warum ihr es heute nicht tragen wollt, dann solltet ihr dafür ein neues Zuhause finden. Ansonsten versucht jedes Kleidungsstück so oft wie möglich zu tragen bevor ihr es weggebt.


Liebe Jessi, vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen! Wer noch etwas mehr über das Projekt wissen möchte, darf sich gern an Jessi wenden oder kommentieren. Vielleicht ist ja der ein oder andere inspiriert und nimmt sich für das Wochenende eine kleine Entrümpelung vor. Habt auf jeden Fall eine schöne Zeit!

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